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Die indische Erbitterung über häufig brutalste Vorgangsweisen der
Regierung, die pol.-wirtsch. Depression der Nachkriegszeit und die schlechte
Behandlung des türk. Kalifen durch die Briten machten es ihm möglich
Hindus und Muslims ( im Zeichen der religiösen Toleranz)
zusammenzuführen und zu seinem “ersten Feldzug” ( =
Nichtzusammenarbeit mit der Fremdherrschaft durch Boykott der Wahlen, Schulen
und Gerichte) zu veranlassen. Da diese religiöse Harmonie nicht von Dauer
war , mußte Gandhi die Aktion 1922 abbrechen. Infolge wurde er für 2
Jahre inhaftiert.
Trotz einiger Veränderungen im politischen Leben Indiens nahmen die
sozialen Spannungen in den folgenden 8 Jahren kontinuierlich zu .
M.A.Jinnah (1876-1948) stellte sich an die Spitze der Muslim-Liga und
führte diese mit starker Hand in Richtung muslimischen Separatismus und die
orthodoxen Hindus kämpften um die Rückbekehrung indischer Muslims zum
Hinduismus.
Zur politischen Radikalisierung ( der Kongreß war wieder in mehrere Flügel aufgespalten) trug auch J.Nehru mit der Gründung der kommunistischen Partei in Indien wesentlich bei. 1927 kam es , nachdem bei der Überprüfung der Verfassung kein
Inder in die Kommission aufgenommen worden war, wieder zum Boykott. Man forderte
den Dominion-Status , die Radikalen sogar die völlige Unabhängigkeit
vom britischen Empire.
Gandhi, nach einigen Jahren wieder in die Politik zurückgekehrt, stellte den Briten ein Ultimatum, um die Forderungen der Gemäßigten zu erfüllen. Als dieses abgelehnt wurde, startete er die Kampagne des “Bürgerlichen Ungehorsams” ( sein “2. Feldzug”). Die Bewegung wuchs schnell, die Muslims blieben ihr allerdings fern. Obwohl mehr als 60000 Menschen verhaftet , Gandhi interniert und viele ausgepeitscht wurden, hielten sich die Massen fast überall an das Gebot der Gewaltlosigkeit. Die Regierung sah bald ein, daß die Vorbereitung einer neuen Verfassung ohne die Beteiligung des Kongresses nicht mehr möglich war . Daher wurden Gandhi und andere Politiker freigelassen und der Kongreß vom Vizekönig als der wichtigste Vertreter des indischen Volkes und gleichberechtigter Verhandlungspartner anerkannt. Erneute Konflikte zwischen den Religionsgruppen verhinderten allerdings einen gemeinsamen Verfassungsentwurf. Infolge wandte sich Gandhi dem Problem der Unberührbaren zu , um innere Einheit (“innere Freiheit”) der äußeren Freiheit vorangehen zu lassen. Währenddessen versickerte der Feldzug der “Civil Disobedience” immer mehr, bis er 1934 entgültig eingestellt wurde. Die Macht der Nationalbewegung und des Kongresses war zwar seit 1922 gewaltig gewachsen, aber handgreifliche Erfolge waren auch nach diesem 2.Feldzug nicht zu vermerken. Im Kongreß kam es zu Kontroversen über Gandhis Führungsmethoden ( –> Bildung der Nationalist Party und der Congress Socialist Party), worauf dieser mit dem Austritt reagierte. (Inoffiziell blieb er allerdings weiterhin an der Spitze der ind. Nationalbewegung) Erst 1935 wurde eine neue Verfassung (“ Government of India Act”) verabschiedet, welche die Gründung eines gesamtindischen Bundesstaates vorsah ( unter Miteinbeziehung der bis jetzt halbautonomen indischen Fürstentümer) und zugleich , durch einige Vorteile für die Fürsten, deren Loyalität stärken sollte. Die Verfassung war für viele enttäuschend. Von Dominion-Status für ganz Indien war keine Rede , nur in den Provinzen Britisch-Indien gab es einige entscheidende Neuerungen (provinzielle Autonomie, ungeteilt ind. Ministerien,...). In diesen ging man auch sofort an die Verwirklichung von Gandhis Reformplänen. Der Gandhi-Kult, die Überheblichkeit der Kongreßpolitiker und die Angst vor einer entgültigen Hindu-Herrschaft provozierten die Muslims ( besonders die Gruppe um Jinnah) ständig . Sie sahen bereits in den 30ger Jahren die staatliche Trennung der beiden Religionen als den einzigen Ausweg. Diese “Zwei-Nationen”-Theorie wurde 1940 zum offiziellem
Programm der Muslim-Liga.
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