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Da alle Petitionen nichts fruchteten , kam es im Kongreß bald zu
einer inneren Spaltung : Die Extremisten unter ihrem Führer Tilak (
1856-1920) wollten den Freiheitswillen ihrer Landsleute wecken, sahen den Grund
für Indiens Armut in der Fremdherrschaft und strebten eine nationale
Revolution an.
Für die Gemäßigten unter Gokhale (1866-1915) war die Reform der indischen Gesellschaft das wichtigste Ziel. Sie strebten die soziale Evolution an. 1907 wurde die Radikale Gruppe, nachdem sie auch zu Terror gegriffen hatte, aus dem Kongreß verdrängt. Diese nun rein gemäßigte Vereinigung erreichte1909 einige Zugeständnisse von den Engländern ( z.B: der ind. Stimmenanteil in der Legislative wurde verstärkt,..), welche allerdings nur ein kleiner Schritt in Richtung Selbstregierung waren und nur gemacht wurden, um die Lage in Indien zu beruhigen. Die Muslims (damals ca. ¼ der Bevölkerung), hatten 1906, als
Gegengewicht zum ursprünglich überkonfessionellen Kongreß, die
Muslim-Liga gegründet, welche 1909 einen für die weitere
Entwicklung wichtigen Erfolg - gesonderte Wahllisten für Muslims
-.erzielte.
Aufgrund der türkenfeindlichen britischen Haltung in den Balkankriegen schwenkten die indischen Muslims mehr und mehr in die nationale Front ein. Nach anfänglicher Loyalität Indiens im 1.WK entstand 1916 ( der
Kongreß stand seit 1915 wieder unter dem Einfluß der Extremisten)
eine, von Muslims und Hindus gleichermaßen unterstütze home
rule - Bewegung, die einige ihrer Ziele in den Reformen von 1919
verwirklicht sah: Dezentralisierung ( Einteilung in Zentral-und
Provinzregierungen), Schaffung von Parlamenten, mehrere ind. Minister, mehr
Wahlberechtigte.
Im Kongreß (die Gemäßigten waren 1918 ausgetreten)
schwankte man allerdings lange, ob man sich mit dieser neuen Verfassung
zufrieden geben sollte.Schließlich trat 1919 Mahatma Gandhi an die Spitze
der indischen Nationalbewegung und führte diese in eine völlig neue
Phase.
b¸
Indien zwischen den beiden Weltkriegen :
M.K. Gandhi ( 1869-1948) war ursprünglich in England
ausgebildeter Rechtsanwalt. Die drei Kernbegriffe in Gandhis
religiös-politischem Denken waren : Wahrheit, Gewaltlosigkeit , Keuschheit.
Die Wahrheit war für ihn das höchste Prinzip des Seins (=Gott) .
Unter Gewaltlosigkeit verstand er nicht nur passiven Widerstand, sondern auch
den Versuch, dem Gegner mit Liebe zu begegnen ( “echte Gewaltlosigkeit
setzt die Fähigkeit zur Gewaltanwendung voraus, sonst ist sie
Hilflosigkeit”). Mit Keuschheit meinte er, neben sexueller Enthaltsamkeit
, vorallem Beherrschung der eigenen Sinne und Affekte.
Gandhi trug die Nationalbewegung, die von der kleinen elitären
Bürgerschicht ausging, in das indische Volk und wurde dafür von diesem
wie ein Heiliger verehrt. ( Ehrentitel mahãtmã = ”dessen
Seele groß ist”)
Für seine Widersacher (vorallem Intellektuelle) aber war die
ständige Vermischung von Religion und Politik und seine Sozialethik (
“die Reichen als Treuhänder der Armen”) unannehmbar.
G. war zwar nur einmal Präsident des Kongresses (1924), stand aber
seit 1920 (inoffiziell) an seiner Spitze. Man kann ihn heute weder den
Gemäßígten noch den Extremisten zuordnen ( Sozialethik ,
religiöse Toleranz , aber zugleich Kampf gegen die “Welt der
Maschine....”) .
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